Hotel Formentor

Das 5-Sterne Hotel Formentor liegt ruhig an der Platja de Formentor

PORT DE POLLENCA - THEMA & HINTERGRUND

Das Hotel Formentor als kultureller und politischer Treffpunkt

Hoch im Norden, oberhalb von Port de Pollença, liegt die Halbinsel Formentor mit dem gleichnamigen legendären Luxushotel, das der Gelegenheitsdichter (seine Verse fanden immerhin Aufnahme in der Antologia de Poetas Argentinos) und millionenschwere Literaturkritiker Adan Diehl 1928/29 erbauen ließ.

Diehl wollte sich eigentlich nur ein Haus für sich, seine Familie und Freunde bauen. Ein Besucher, der Maler Tito Cittadini, hatte ihn auf die Idee gebracht, nicht nur Bekannte, sondern auch Gäste aufzunehmen und damit Geld zu verdienen. Die Idee setzte Diehl mit viel Schwung und hohem Kapitaleinsatz auf der damals noch sehr schwer zugänglichen Halbinsel um.
Die Eröffnung im Juni 1929 genau ein Jahr nach Baubeginn war glanzvoll. Das Haus war luxuriös, die vielen prominenten Besucher waren es auch. Aber Geld verdiente Diehl mit den reichen Gästen trotzdem nicht. Außerdem machten ihm bald der damalige Börsenzusammenbruch und die anschließende Weltwirtschaftskrise zu schaffen. Anfang 1936 musste Diehl aufgeben und an die Banco de Crédito Balear verkaufen.
Im Pinienhain des Hotels, das damals nur vom Wasser aus zugänglich war, versammelte sich Anfang der 1930er-Jahre die »geistige Elite Europas« zur so genannten »Woche der Weisheit«, organisiert vom deutschen Philosophen Hermann Graf Keyserling (1880-1946). Dieser versuchte durch seine »Schule der Weisheit« und mit Hilfe etlicher Flaschen Rotwein die Gegensätze zwischen Rationalität und Irrationalität zu überwinden. Dabei ließ er sich in absurde Kontroversen u.a. mit dem spanischen Schriftsteller und Happening- Spezialisten Ramón Gomez de la Serna (1888-1963) verwickeln, der sich unerkannt unter die Gastteilnehmer aus aller Welt gemischt hatte.


Er forderte Keyserling unvermittelt auf, der um Themenvorschläge gebeten hatte, über die Kaffeekanne zu philosophieren

Und Ramón Gomez de la Serna spritzte seine Greguerías (»tollen Einfälle«) in die Runde und bewies zweierlei: dass die deutsche Philosophie keine Tiefe habe, eine Kaffeekanne aber unerschöpflich sei. Als geschlagener Denker ging Keyserling in sein Luxusgemach zurück; und als solcher verließ er schleunigst das Hotel und die Insel.

Als es nach dem spanischen Bürgerkrieg und dem Zweiten Weltkrieg im Mallorca-Tourismus wieder aufwärts  ging, übernahm die Familie Buadas das Hotel. Juan Buadas und seine Söhne führten das Haus im Geiste Adam Diehls weiter und verdienten damit sogar Geld. Die Luxusoase wurde erneut zum Treffpunkt der Berühmten und Reichen.  Gäste waren u.a. Charlie Chaplin, Douglas Fairbanks, Errol Flynn, John Wayne, Peter Ustinov, Grace Kelly und Fürst Rainier von Monaco, Prinz Charles und Diana, Helmut Kohl, Helmut Schmidt, der Dalai Lama, das spanische Königspaar.
In den 1950er-Jahren verfielen der neue Besitzer des Hotels, Bartolomé Buadas, und Camilo José Cela, spanischer Literatur-Nobelpreisträger, auf die Idee, eine ähnliche Veranstaltungsreihe wie die „Woche der Weisheit“ aus der Taufe zu heben. Im Jahre 1959 luden sie zum ersten Mal zu den sog. »Poetischen Gesprächen« ein, die sich rasch zu einem wichtigen europäischen Literaturereignis entwickelten. Die Krönung dieses Treffens stellte die Vergabe eines »Formentor Preises« (10.000 Dollar) und des Internationalen Verlegerpreises dar, eine Zeremonie, die bis 1963 auf Mallorca stattfand. Danach wurde sie aus politischen Gründen nach Griechenland verlegt. Preisträger waren u.a. Prominente wie der Ire Samuel Beckett (»Warten auf Godot «), der Argentinier Jorge Luis Borges  und der Deutsche Uwe Johnson.

Mit der Öffnung für den Massentourismus war es mit der Exklusivität im Formentor spätestens seit den 80er Jahren dann vorbei, und der Ruhm des Hauses begann zu verblassen, die Fassade im wahrsten Sinne des Wortes zu bröckeln. Längst hatten andere Hotels auf der Insel das Formentor an Komfort und Stil übertroffen – unübertroffen blieb allerdings seine Lage. 

Die relative Abgeschiedenheit der Anlage führte über die letzten Jahrzehnte auch immer wieder dazu, dass politisch und wirtschaftlich hochrangige Konferenzen im Formentor abgehalten wurden. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist der informelle EU-Gipfel im September 1995, auf dem sich Helmut Kohl als damaliger Bundeskanzler für die „politische Union“ in Europa mächtig ins Zeug legte.

Seit 1999 fand hier regelmäßig das »Foro Formentor« statt, bei dem Regierungsvertreter aus dem Mittelmeerraum zu Gesprächen nach Mallorca kamen.

Die spanische Hotelkette Barceló, die seit 2006 für das Haus verantwortlich zeichnet, will es nun auf 247 Zimmer erweitern und mit einem neuen Spa und ausgedehntem Poolbereich möglichst wieder zur Nummer 1 auf Mallorca machen.

Anzeige

Reisebuch.de