WANDERN RUND UM POLLENCA

Hinauf zur Ermita Nostra Senyora del Puig

Zweite Pflichtübung für den mobilen Touristen in Pollença nach den 365 Stufen des Kalvarienbergs ist der Aufstieg bzw. die (weitgehend mögliche) Auffahrt zum Klosterberg Santa Maria mit der Ermita de Nostra Senyora de Puig. Ein Schild »Puig de Santa Maria« an der Hauptstraße weist den Weg. Je nach Kondition benötigt man von dort zu Fuß für die 300 Höhenmeter 30-60 min. (Die nicht unbedingt zu empfehlende Autozufahrt endet auf ca. 2/3 der Höhe; Parken kann man mit Glück nur unterhalb an einigen Wegverbreiterungen).

Das letzte Stück entspricht einer Kurzwanderung (ca. 15 min); der ganze Weg hinauf ist recht schweißtreibend. Oben erwarten den Besucher eine burgartig befestigte Anlage und preiswerte, erstaunlich vielfältige Hausmannskost. Auch Übernachtungen sind dort möglich. Die Klosterzellen sind sehr klein und spartanisch eingerichtet. Es gibt nur Gemeinschaftsbäder im Flur, Handtücher müssen mitgebracht werden. Zimmerservice, Telefon und Fernseher sind nicht vorhanden.

Buchen kann man über Tel. von Deutschland: 0034/971/18 41 32 oder per Mail: hostatgeriapuig@yahoo.es. Einzelzimmer 16€, Doppelzimmer 22€.

Die Entstehungsgeschichte der Ermita de Santa Maria ähnelt denen anderer Eremitagen auf Mallorca und der des Klosters Lluc: im 14. Jahrhundert fand man dank nächtlicher Visionen einer frommen Frau eine Madonnenfigur auf dem Gipfel des Santa Maria Berges. Ihr kolossales Gewicht, das einen Transport unmöglich machte, wurde interpretiert als göttlicher Wink zum Bau einer Kapelle. Im Laufe der Jahre entwickelte sich daraus ein Nonnenkloster.

Die Befestigungen sind Zeugnis der Probleme mit Piratenüberfällen, die einst zum Umzug nach Palma zwangen. Zwischendurch lebten zwar wieder Ordensschwestern in der Ermita (bis 1988), aber heute wird sie normal bewirtschaftet. Ideal sind Picknickutensilien im Rucksack, denn mehrere (leider schattenlose) Tische mit Bänken samt Grillstellen warten.

Von ihnen fällt der Blick weit über die Buchten von Pollença und Alcúdia. Am 1. Mai wird dort eine Riesenpaella zubereitet, und am 2. Samstag im Oktober ist Grillfest.

 
Castell del Rei

Nördlich von Pollença in exponierter Lage hoch über dem Meer errichteten die Mauren im 10. Jahrhundert eine Festung. Nach der christlichen Rückeroberung Mallorcas war sie letzte Fluchtburg der geschlagenen Araber. Auf der danach Castell del Rei (Königsburg) genannten Anlage hielten sich über 100 Jahre später die Getreuen des bei Llucmayor 1349 gefallenen Königs Jaume III, bevor auch sie vor dem Eroberer Pedro IV. von Aragon die Waffen streckten. Danach spielte das Kastell weiter lange Jahre eine Rolle bei der Verteidigung Mallorcas gegen Überfälle arabischer Piraten. 1715 wurde es aufgegeben. Zuletzt soll es noch im Spanischen Bürgerkrieg, der auch und gerade auf Mallorca grausam ausgefochten wurde, eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Wind, Wetter und Materialbedarf der Bauern zerstörten das einst mächtige Bollwerk auf dem fast 500 m hohen Felssockel. Außer Mauerresten, einem einzigen Raum, Fluchttreppe und Eingangsportal blieb nicht viel übrig.

Burg und aller umgebender Grund und Boden befinden sich im Eigentum der Familie March. Die sperrte schon 1989 den Weg zur Burg, der bis dato wenigstens samstags fürs Fußvolk geöffnet war.

Das ist zwar rechtlich sehr umstritten, faktisch hat das aber nichts geändert.

Pollenca Pont Roma

Steinbrücke Pont Romà


Tipp

Es gibt immer wieder in Internetforen und auch von Seiten der Tourismusbüros vor Ort Gerüchte, dass es einzelnen Wanderern oder Kleingruppen gelungen sei, eine Passiererlaubnis an einem Samstag zu erhalten. Diese würde von der Banca March in Pollença in seltenen Fällen erteilt.

Einen Versuch dort ist es vielleicht wert, denn die Wanderung ist bei gutem Wetter eine der lohnendsten in der Region. Außerdem erhöhen die Nachfragen ggf. den Druck auf Behörden und die March-Erben, endlich eine für alle Beteiligten akzeptable Regelung dieses Missstandes herbeizuführen.

 
Thema & Hintergrund

„Am 12. Oktober 2009 spielten sich in Pollença tumultartige Szenen ab. Der Verein “Plataforma pro camins públics i oberts” hatte zu einer Protestwanderung für die Öffnung des Cami de Ternelles (von Pollença bis zum gleichnamigen Berggipfel) aufgerufen. Der Jahrhunderte alte Weg führt durch eine der schönsten Gegenden des Tramuntanagebirges und leider auch über Privatbesitz der einflussreichen mallorquinischen Bankiersfamilie. Zwar schreibt das spanische Gesetz vor, dass historische Wege, die über privaten Grundbesitz führen, für die Öffentlichkeit zugänglich sein müssen. Doch da der Weg nahe an den Gebäuden des Landsitzes entlang führt, fühlte sich die Familie March durch Wanderer und Wochenendausflügler gestört. Durch geschickte politische Einflussnahme erreichte die Familie, dass ihr Grundstück vom Umweltministerium als “Schutzgebiet für die Aufzucht des Mönchsgeiers” deklariert wurde. Durch diese Einstufung konnten die Besitzer der Ländereien erreichen, dass nicht mehr als 20 Personen pro Tag den Weg benutzen dürfen. Diese Regelung ist für Wanderer schwer zu durchschauen, denn niemand weiß so recht, wie viele Personen das Tor zum Weg schon passiert haben. In der Praxis war das Tor laut Zeugenaussagen meist fest verschlossen. Die “Plataforma pro camins públics i oberts” wollte mit dem Aufruf zur Massenwanderung daher die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erreichen. Das zumindest ist gelungen: Ein Großaufgebot der Polizei erwartete die Wanderer am verschlossenen Eingangstor zum Camino de Ternelles. Die ersten zwanzig Personen durften gemäß einer Order des Rathauses passieren, dann wurde das Tor von der Polizei geschlossen. Doch die über 500 Demonstranten waren vorbereitet und überstiegen den Zaun mit eignes mitgebrachten Leitern …“

aus: el aviso, November 2009

 
Wandern über private Ländereien

Mallorca hat sich in den letzten Jahrzehnten nach öffentlicher Darstellung zu einem „Wanderparadies“ entwickelt. Etliche Wanderführer preisen die Schönheit der Wege durch scheinbar unberührte Natur, in der man die Insel der Ruhe von ihrer „wahren Seite“ kennen lernen könne.

Schaut man genau hin, so wird man feststellen, dass auf allen Karten und in allen Wegbeschreibungen nahezu identische Touren mit kleinen Varianten ausgewiesen sind. Neue Strecken kommen meist nur hinzu, wenn die Inselregierung Land aufkauft und dieses für die Allgemeinheit in so genannten Naturparks freigibt. Ansonsten bleibt der Großteil des ländlichen Mallorcas für Wanderer, die auch mal auf neuen Pfaden wandeln wollen, unzugänglich. Dies liegt primär daran, dass sich die meisten Fincas (Landgüter) in privaten Händen befinden und die Besitzer kein Interesse daran haben, dass mehr oder weniger rücksichtsvolle Aktivurlauber ihnen in die gute Stube schauen oder ihr Areal unkontrolliert betreten. Hohe Zäune, verschlossene Tore mit eindeutigen Hinweisschildern und bedrohlich bellende große, schwarze Hunde sorgen in der Regel dafür, dass der Wandertrieb von Einheimischen und Touristen rigoros in seine Schranken gewiesen wird. Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht – nicht einmal für Geld und schon gar nicht für gute Worte.

 

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