SEHENSWÜRDIGKEITEN IN PORTOCRISTO

Coves del Drac

Dass die Drachenhöhlen es zu großer Beliebtheit brachten, ist im Prinzip verständlich. Für den (angeblich) weltweit größten unterirdischen See (bis zu 177 m lang und 40 m breit) fiel den Betreibern nämlich ein besonderes Spektakel ein, das man nun seit Dekaden täglich x-mal wiederholt: aus der Tiefe der verdunkelten Höhle gleiten lautlos drei nur dezent beleuchtete Boote über das glasklare Wasser. Musiker, die – unterstützt oder mitunter, wie es scheint, ersetzt durch verborgene Lautsprecher – populäre klassische Weisen spielen, sind ihre einzigen Passagiere.
Über 1000 Menschen können auf einer riesigen Tribüne, die sich dank einer perfekten Organisation im Stundenrhythmus füllt und leert, das Schauspiel bzw. »Konzert« verfolgen. Die immer schon ziemlich kitschige Inszenierung zwischen den Stalagmiten und Stalaktiten ist als Massenveranstaltung ein Vergnügen, das manchem Besucher nur sehr bedingt Freude bereiten dürfte.
Im Gegensatz zu den meisten Höhlen findet in den Coves del Drac keine Führung statt. Vielmehr wird ab 10 Uhr bis 17 Uhr stündlich (April-Oktober, kein Einstieg 13 Uhr) der schmale Eingang geöffnet, durch den sich danach die Scharen drängen und durch lange Gänge (die Höhle ist ca. 1.700 m lang) zum See eilen (müssen). Angemessen Zeit, um die tatsächlich großartigen unterirdischen Formationen gebührend zu betrachten, bleibt kaum. Nach der Vorstellung geht es für das Gros der Zuschauer über eine Brücke schleunigst zum Ausgang. Wer geduldig Schlange steht, darf per Boot über den See setzen.
Die Höhle als solche wäre ohne das Musikprogramm vermutlich viel sehenswerter.


Geöffnet: November bis März nur 4x täglich Einlass: ca. 10.45, 12, 14, 15.30 Uhr; ohne »Konzert« 16.30 Uhr.
Eintritt €10,50; Kinder bis 7 Jahre, saisonal auch bis 16 frei.
Discountcoupons über €3 gibt’s in Touristeninfos und Hotels. Parken ist kostenlos.

Die Abfertigung funktioniert auch bei großem Andrang perfekt. Tickets – mit Zeitvorgabe – erhält man am Zentralgebäude (wo sich auch der Ausgang befindet); von dort geht es etwa 200 m zu Fuß bis zum Höhleneingang. Manchmal sind »Vorstellungen« im  Voraus ausgebucht. Gute Chancen auf Einlass ohne Wartezeit hat man gleich morgens oder mit dem letzten Schub des Tages.

Tel.:  971 820753
www.cuevasdeldrach.com


Coves dels Hams

In den Coves dels Hams (breite Zufahrt an der Straße nach/von Manacor) finden im Gegensatz zur Drachenhöhle Führungen statt. Durch lange Gänge geht es in Gruppen im Gänsemarsch an bunt beleuchteten unterirdischen Räumen und Felsspalten vorbei, die vielfältig geformte Stalagmiten und Stalaktiten beherbergen. Filigrane, Harpunen (Hams) ähnliche Gebilde gaben der Höhle ihren Namen. Auf einem Minisee wird die Show der Drachenhöhle (mit einem Boot) imitiert. Wohl, um der übermächtigen Konkurrenz noch etwas mehr entgegensetzen zu können, wird dem Besucher seit einiger Zeit als Zugabe eine virtuelle Show geboten: »Abenteuer des Jules Verne«. Etwas hergeholter Hintergrund:  1869 besuchte Jules Verne zusammen mit den ebenfalls berühmten Literaten Alexandre Dumas und Victor Hugo die Höhlen von Artá – aber eben nicht die Coves dels Hams.
Man betritt die Coves dels Hams über einen tiefen, dicht bewachsenen Felstrichter, der auch ohne Höhlenbesuch vom Parkplatz aus zugänglich ist.
Unten befindet sich eine Bühne mit Open-Air- Restaurant. Im Sommer finden dort (als Sonderveranstaltung) Konzerte und Folklore-Vorführungen mit Barbecue statt.

Geöffnet täglich April-Oktober 10-18 Uhr, Nov-März 10.30-17 Uhr;
Eintritt €10, unter 12 Jahre frei
www.cuevas-hams.com


Fazit

Für Individualreisende mit ästhetischen Ansprüchen und Erholungsbedürfnis ist der Besuch dieser beiden Höhlenformationen nur sehr bedingt empfehlenswert.  Kitsch- und Stressfaktoren überlagen das eigentliche Naturschauspiel.
Wenn Höhlen auf Mallorca, dann lieber die von Artá oder Campanet (bei Pollença)!

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