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NAMEN & WERKE IN UND AUS CALA RATJADA
Juan March
Der Name March lässt sich auf Mallorca nicht übersehen. Er begegnet einem auf Schritt und Tritt in unterschiedlichsten Zusammenhängen. So gibt es keinen größeren Ort ohne eine Filiale der Banca March. Die Familie March zählt im Verborgenen zu den reichsten dieser Erde. Sie macht auf der Insel von diesem Privileg auch reichlich Gebrauch, indem sie z.B. ihre riesigen Grundstücke durch hohe Zäune vor Wanderern schützt (siehe Kapitel Pollença). Der den Hafen überragende Palau March in Cala Rajada ist für sie nur eine Sommerresidenz unter vielen. Die zahlreichen Nachkommen erfreuen sich heute noch eines Vermögens, zu dem Juan March, der 1880 geborene Sohn eines mallorquinischen Schweinehirts aus Santa Margalida, z.B. durch Geschäfte mit allen Parteien des ersten Weltkriegs den Grundstein legte. Nachdem er später mit Tabakschmuggel kräftig weiter verdiente, setzte er im spanischen Bürgerkrieg (1936-39) als Waffen-Finanzier der Faschisten auf die richtige Karte. Eine beispiellose Anhäufung von Reichtum und wirtschaftlicher Macht im Spanien der Franco-Zeit war die Folge. Positive Begleiterscheinung war, dass March wohl auch aus Image-Gründen bereits 1955 nach dem Vorbild der Rockefeller-Stiftung die Fundación March zur Förderung der Wissenschaft und der Kultur gründete. Diese verfügt heute über Skulpturen und Bildersammlungen, Forschungsinstitute, Bibliotheken, vergibt Forschungspreise und Forschungsstipendien und fördert kulturelle Aktivitäten. Die Biografie des mallorquinischen Self-Made Man liegt weitgehend im Dunklen, nicht zuletzt, weil seine Familie offensichtlich kein Interesse daran hatte, sich posthum für die zwielichtigen Geschäfte ihres Patriarchen zu rechtfertigen. Juan March kam 1962 bei einem Autounfall nahe Madrid ums Leben.
Karl Otten und die deutschen Exilanten in Cala Ratjada
„Unser Dorf ist gar kein Dorf – es ist das Ende einer langen Straße, die aus dem Innern der Insel oder Europas direkt in das Meer führt.“ So beginnt die kleine Erzählung „Unser Dorf“ des Schriftstellers Karl Otten aus seinen bislang unveröffentlichten Geschichten aus Pueblo. Zweifellos diente ihm dabei jener Ort als Vorbild, der ihm drei Jahre lang Zuflucht vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten gewährte: Cala Ratjada.
Karl Otten (1889 – 1963) war in den 20ger und 30er Jahren ein anerkannter expressionistischer Schriftsteller, zunächst Anarchist, dann Kommunist (wegen der Verfolgungen unter Stalin wandte er sich später vom Kommunismus wieder ab) und, seit einer frühen Reise durch das von einem brutalen Krieg gezeichnete Albanien, überzeugter Pazifist. Das waren Gründe genug für die Nationalsozialisten, Otten aus dem Verkehr zu ziehen.
Am 12. März 1933, eine Woche nach der Reichstagswahl, trat er in weiser Voraussicht wie viele andere deutsche Intellektuelle seiner Zeit den Weg ins Exil an. Er brach gerade noch rechtzeitig auf: Drei Tage später durchsuchte die SA seine Wohnung im Berliner Stadtteil Wilmersdorf.
Mit seiner jüdischen Lebensgefährtin und späteren zweiten Frau, Ellen Kroner, floh Otten über Paris nach Barcelona und setzte dann nach Mallorca über.
Es war kein Zufall, dass Otten gerade nach Cala Ratjada ging: Eine illustre Gruppe von Exilanten hatte sich in dem kleinen Fischerdorf bereits niedergelassen. Der in Deutschland wegen "Landesverrats" angeklagte Pazifist Heinz Kraschutzki und der Journalist Conrad Alfred Liesegang wohnten schon seit 1932 auf der vermeintlich paradiesischen Insel, die wenige Jahre später in den Strudel des grausamen Spanischen Bürgerkrieges stürzen sollte. Anfang 1933 flüchteten dann außer Karl Otten die deutschen Schriftsteller Herbert Schlüter, Erich Arendt, Ottens Freund Franz Blei, der Journalist Arthur Seehof und die Maler Heinrich Maria Davringhausen und Arthur Segal in das unscheinbare Dorf an der mallorquinischen Ostküste. Doch auch in Cala Ratjada lauerten Nazis, die in engem Kontakt mit Gestapo-Agenten in Palma die Emigranten ausspionierten.
Das Leben im Exil war einfach und genügsam. Man legte kleine Gemüsegärten an und profitierte von den niedrigen Lebenshaltungskosten im damaligen Mallorca.
Abends traf man sich in der strohgedeckten und mit expressionistischen Bildern ausstaffierten primitiven Wikiki-Bar in der Calle Leonor Servera , die von Al Capones ehemaligem Leibwächter Hugo Baruch alias "Käpt‘n Jack Bilbo" geführt wurde. Dieser war ebenfalls ein verfolgter Exilant, jüdischer Schriftsteller, Maler und erklärter Antifaschist.
Allerdings gingen die Autorenhonorare im Zuge der Gleichschaltung im Nazi-Deutschland zunehmend zurück. Otten hinderte dies nicht, sich weiter gegen das braune Regime in seiner Heimat politisch zu engagieren. Mehrmals verließ er zwischen 1933 und 1935 die Insel in Richtung Paris, wo er „Mitglied der Liga für Menschenrechte“ und der „Ausländischen Presse“ wurde.
Sein bedeutendstes Werk ist der Roman „Torquemadas Schatten“, der vom Ausbruch und den ersten Monaten des Spanischen Bürgerkriegs auf Mallorca handelt. Otten schrieb „Torquemadas Schatten“ 1937 in London. Bereits im Juli 1936 hatten Franco und die Falange die Macht auf Mallorca übernommen. Otten, wurde denunziert und verhaftet, kam jedoch nach wenigen Tagen wieder frei und verließ mit Glück wie viele seiner Exilantenfreunde an Bord eines britischen Schiffes die Insel. Über Barcelona führte ihn der Weg nach England, wo er bis 1958 lebte und u.a. für die BBC arbeitete. Danach ließ sich der Schriftsteller, der 1944 erblindet war, mit seiner Frau im Tessin nieder. Er kehrte nie wieder für längere Zeit nach Deutschland zurück. Sein Werk wartet wie das vieler Zwangsemigranten der Nazizeit bis heute auf eine gerechte Würdigung in der deutschen Literatur- und Kulturgeschichte.
Quellen:
www.mallorcazeitung.es/secciones/noticia.jsp?pRef=2009052100_8_15390__Leben-MallorcaDeutsche-unterm-Hakenkreuz-Teil-2Deutsche-ExilKolonie-Ende-Welt
www.freitag.de/2006/28/06282301.php
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